Weil Marcela immer noch marodiert, bin ich alleine zu einer kleinen Halbtageswanderung in das Hinterland von Nyons in morgentlicher Stunde aufgebrochen. Gleich anfangs wurde der Weg steinig und steil, dann führt er um einen Hügel herum zu einem kleinen, sehr alten aber gut revitalisiertem  Bergdorf, welches ich nach 2,5 Stunden erreiche.

Neben wenigen Häusern ein Hotel, dieses durchschreite ich unerschrocken. Das Hotel erscheint leer, ein Mann liegt hinter seinem Smartphone am Personalsofa. Ich frage freundlich, ob es etwas zum Essen gibt, schließlich habe ich nur einen Pfirsich und Wasser mitgenommen. Er verneint und ich frage weiter, ob es hier oder im Dorf darunter ein offenes Lokal gibt. Er verneint abermals, schaut mir tief in die Augen und fragt mich, ob ich Zeit zum Essen habe. Die Kombination aus Blick und Frage verunsichert mich, aber für Abenteuer, vor allem beim Essen, bin ich ja immer zu haben. So sage ich mit sicherer Stimme „Qui“. Er meint, ich soll mir einen Platz auf der großen, schattigen Terrasse aussuchen, er würde gleich kommen. So war es dann auch und nach kurzem Warten bekam ich einen Liter Kaffee und einen Teller Blattsalat, Vollkornbrot und eine köstliche Pilzpastete. Genüsslich beginne ich zu essen. Unerwartet kommt er ein zweites Mal und bringt warmen Gemüsereis, eine gefüllte, kleine Zucchini und warmen Melanzani Auflauf. Wir lächeln uns einander an und ich gebe zu bedenken, dass ich das alles unmöglich essen kann. Er meint, ich habe sicher Hunger nach dieser langen Wanderung. Und er kommt ein drittes Mal, bringt abermals Köstlichkeiten mit, diesmal einen Artischockensalat, eine Gänseleberpastete und einen warmen Zucchiniauflauf. Ich schüttle nur den Kopf, er nickt wohlwollend. Ich verputze nur den Salat, trinke 2 Tassen Kaffee und koste mich bei den übrigen Speisen durch. Hervorragend!!!

Nach genüsslichem und zeitlich ausgedehntem Mahl trete ich mit einem Lächeln zum Chef des Hauses vor und frage, was ich für dieses köstliche Essen bezahlen darf. 20 Euro – eine Okkassion! Er meint alle Speisen sind vegan, da habe ich mich gehörig mit der Gänseleberpastete geirrt. Es ist mir aber schleierhaft, was das sonst gewesen sein kann.

Ich marschiere weiter zum Dorf am Fluß, überquere diesen, und gehe die Wegstrecke auf einer kleinen Nebenstraße in der frühen Nachmittagshitze zurück nach Nyons.

In einem Gasthaus treffe ich Marcela an, gemeinsam chillen wir den Nachmittag bis zum Abend. Das fleischliche Abendessen in einem kleinen Restaurant war leider ein Totalversagen, aber der Wein war gut...