Abermals Frühstück vor dem Zimmer. Der Rucksack wird gepackt. Die beiden Reisetaschen annähernd bis zum Maximalgewicht mit Handarbeitssachen, Küchenschürzen, lokale Körbe mit Deckel udgl. gefüllt. Das meiste aus den Werkstätten von future4kids.at. Der Verkauf in Österreich wird Geldmittel lukrieren. Die Fahrt nach Kigali, ca. 2 h ist von gutem Wetter und guter Sicht begleitet. Der Verlauf des ostafrikanischen Grabenbruches zieht sich rechterhand mächtig durch das Land. Ein Kleinlaster hat leider einen schweren Unfall verursacht und steckt mit zerquetschter Fahrerkabine rechts im Graben. Die Ladung wurde schon ordentlich aufgereiht zur Abholung.

Kigali ist deutlich wärmer, liegt auch deutlich tiefer. Jophrid, ein mittlerweile Erwachsener aus der Riege der F4K’s Kinder, er ist selbst mittlerweile Touroperator und im Vorstand des Vereins macht mit mir eine Stadttour. Er stellt dabei ein Dokument der dt. Botschaft zu und bringt mich danach zum Genozid Memorial.

Die Gedenkstätte des traurigsten Kapitels der jüngsten, ruandischen Geschichte. Mehr als 250.000 (!) Opfer sind an dieser Gedenkstätte mittlerweile begraben, immer noch werden verscharrte Leichen gefunden. Die Zahlen schwanken, es hat deutlich über 1.000.000 Opfer während diese 3-monatigen Desasters in 1994 gegeben. Ich lasse es aus, auf den Genozid einzugehen. Interessierte mögen in Wikipedia nachlesen, welches diesen Sachverhalt sehr vergleichbar zu den Aussagen in dieser Gedenkstätte wiedergibt. Besonders bemerkenswert finde ich die lokalen Gerichtsprozesse ‚Gazasa‘ genannt, in welchen versucht wurde, Täter und Überlebende eine Möglichkeit zu geben, sich vor der Dorfgemeinschaft und anderen Zeugen auszusprechen, sich zu entschuldigen und zu vergeben.
Sehr nachdenklich lade ich Jophrid zu einem späten Mittagessen ein. Danach bringt er mich zum größten Markt in Kigali. Schon von außen erkennt man die hektisch, geschäftige Atmosphäre.

Für einen Freund bin ich auf der Suche nach einem Lederarmband. Dies entwickelt sich zu einem bedrängten Spießroutenlauf durch die super engen, überdachten Marktreihen. Nach gefühlt 100 Perlenarmbändern und einem sichtlich schon nervösen Begleiter treibt irgendwer von irgendwo ein Lederarmband auf. Für 10.000 RWF wird dies feilgeboten, ich biete den ohnehin überhöhten Preis von 2.000 RWF. Ein heftiger Diskurs entfacht. Nach mehrmaligem Weggehen bekomme ich das Band für mein Angebot. Jedoch kann der Verkäufer natürlich den 5.000 RWF-Schein nicht wechseln. Abermals verzögert sich nervenaufreibend der Deal, bis ich nach wiederholtem Weggehen das Wechselgeld bekomme. Wir entfernen uns aus dem Gewühle. Es wird en-passent noch eine Habarana-Chili-Sauce gekauft. Die wird sicher die nächsten 20 Jahre reichen.
English version:
Breakfast is served again in front of the room. The rucksack is packed. The two travel bags are filled almost to their maximum weight with handcrafts, kitchen aprons, local baskets with lids, and the like. Most of it comes from the workshops of future4kids.at. The sale in Austria will generate funds. The drive to Kigali, about two hours, is accompanied by good weather and good visibility. The East African Rift Valley stretches mightily through the country on the right. Unfortunately, a small truck had caused a serious accident and was stuck in the ditch on the right with its driver's cabin crushed. The cargo was already neatly lined up for pickup. Kigali is much warmer and also much lower in the ground. Jophrid, a now adult from the ranks of F4K's children, who is now a tour operator himself and on the board of the Rwandan association, takes me on a city tour. He delivers a document from the German embassy and then takes me to the Genocide Memorial, the memorial to the saddest chapter in recent Rwandan history. More than 250,000 (!) victims are now buried at this memorial, and buried bodies are still being discovered. The figures vary; there were well over 1,000,000 victims during the three-month disaster in 1994. I'll skip the genocide itself. Those interested can read up on Wikipedia, which presents this situation in a very similar way to the statements made at this memorial. I find the local court cases, known as 'Gazasa,' particularly noteworthy. These attempts were made to give perpetrators and survivors an opportunity to speak out before the village community and other witnesses, to apologize, and to forgive.
Very thoughtful, I invite Jophrid to a late lunch. Afterwards, he takes me to the largest market in Kigali. Even from the outside, the hectic, bustling atmosphere is evident. I'm looking for a leather bracelet for a friend. This turns into a crowded, sprinting route through the extremely narrow, covered market rows. After what felt like 100 plastic pearl bracelets presented and a visibly nervous companion, someone somehow manages to bring a leather bracelet. It's being offered for sale for 10,000 RWF, and I offer the already inflated price of 2,000 RWF. A heated negotiation started. After walking away several times, I get the bracelet for my offer. However, the seller, of course, can't change the 5,000 RWF note. Once again, the deal is nerve-wrackingly delayed until, after walking away several times, I get the change. We leave the crowd. En passant, we also buy a Habarana chili sauce. It will surely last for the next 20 years.
Photos see above.