Weil ich ja nicht zum Spaß hier bin, habe ich mir für das Wochenende eine sportliche Herausforderung gesucht – die Besteigung des Mt. Karisimbi, mit 4.507hm der höchste Berg von Ruanda. Weil im Vulkan Nationalpark befindlich, ist eine ordentliche Gebühr für den Aufstieg zu bezahlen, dieser wird auch nur mit Führer erlaubt. Bald am Morgen werde ich daher abgeholt und zum Nationalpark Office gebracht. Vorher gibt es noch ein Foto vom nebenan befindlichen Platz mit Gorillafiguren, bei welchen einmal im Jahr die Namensgebung der neu geborenen Gorillababies verkündet und groß gefeiert wird. Die Gorillas sind zwar eingeladen, sind aber bisher nach vertrauenswürdigen Auskünften noch nie erschienen. Erfreulicherweise hat sich die Gorillapopulation in den letzten Dekaden von weniger als 200 auf mehr als 400 mehr als verdoppelt.

Ich bekomme eine junge Führerin, Angi, für die 2-Tagestour zugeordnet. Wir fahren zum Eingangspunkt zur Wanderung 2.300hm, dort warten auch schon 2 Träger auf uns. Ich hätte mein Zeug auch selbst getragen, aber das macht man nicht, wurde mir eingebläut. Schließlich kann mit der Gage der Träger seine Familie fast das ganze Monat ernähren.

Wir gehen durch die Felder der kleinst strukturierten Landwirtschaft und kommen zum Eingangsbereich. Hinter diesem werden wir von 10 (!) Infanteristen des ruandischen Militärs bereits erwartet. Die Führerin sagt mit, das ist obligatorisch für den Schutz während der Tour von Waldbüffeln, welche sich manchmal aggressiv gebärden. Ich fühle mich sicher, auch wenn dies alles sehr ungewohnt für mich ist.

Das erste auffällige Tier ist ein Riesenregenwurm.

Wir stapfen durch zeitweilig tiefe Schlammpassagen durch den Regenwald hinauf, unser Ziel ist die unbewirtschaftete Hütte auf 3.500hm für einfache Übernachtungen. Während des Aufstiegs werden wir von einem Tropenregen eingewaschelt, trotz Regenzeug bin ich bis auf die Unterwäsche nass, auch im Rucksack ist einiges trotz Regenschutz nass. Nach diesem Aufstieg ziehe ich mich erstmals um und merke, dass mich ein Schüttelfrost überkommt. Außentemperaturen +2 Grad.

Meine Führerin bietet mir an, gleich am Nachmittag auf den Gipfel 4.507hm aufzusteigen. Ich sage ihr erstmals mein Alter und weise darauf hin, dass ich mir eigentlich vorgenommen haben, dies als 2 Tagestour auch durchzuführen. Ich stimme aber zu, noch einige 100hm aufzusteigen, um meine Höhenanpassung zu unterstützen. Wir sehen erstmals Waldbüffel am Gegenhang friedlich grasen, daneben eine Antilopenart.

Bei 3.900hm kehren wir um, ich habe mich wieder einmal deutlich an meine Grenzen herangetastet. Wir sitzen noch länger am Holzkohlenofen, Mais und Kartoffeln werden gegart. Ich ziehe mich bald zurück und erwarte keine wirkliche kräftebringende Nacht.

Um 4:45 gehen wird los, 2 Infanteristen und mein Träger begleiten mich, Angi zieht es vor im Lager zu bleiben. Mit Stirnlampe kämpfen wir uns hoch. Ab 4.000hm beginnt mir wieder die Luft auszugehen und mein Energielevel schwächelt. Jede Pause, die in immer kürzer werdenden Abständen erforderlich werden, nicke ich mit Sekundenschlaf ein. Bis 4.300hm kämpfe ich mich hoch, bevor ich die Umstände (mein Energiehaushalt, für 100 hm brauche ich zuletzt schon gute 30 min., das aufziehende schlechte Wetter und keine Sicht, und ich muss auch noch alles bis zum Ausgangspunkt hinuntergehen) für mich so entscheide. Dass ich es beim Ersteigungsversuch belasse, ohne dass ich mit mir herumgrantle.

Wir kehren um, Aufräumpause im Camp, ein nicht enden wollender Abstieg. Erledigt kommen wir zur Nationalparkgrenze, wo ich mich herzlich von den Infanteristen verabschiede, während ein Tropenregen einsetzt. Am letzten Kilometer zur Straße gehen wir durch die bereits bekannten Hohlwege, durch welche mittlerweile Sturzbächen fließen, in denen wir runtergehen. Zweimal schmeißt es mich hin, nässer kann man nicht werden. Der Fahrer holt uns von der Straße ab, und verörtert uns alle, wo wir hingehören. 

English version:

Because I'm not here for fun, I've chosen a sporting challenge for the weekend - climbing Mt. Karisimbi, the highest mountain in Rwanda at 4,507 m. Because it's in the Volcano National Park, you have to pay a big fee to climb it, and it's only allowed with a guide. I'm picked up early in the morning and taken to the National Park Office. Before that, there's a place next door with gorilla figures, where once a year the naming of the newly born gorilla babies is announced and celebrated with a big party. The gorillas are invited, but according to reliable information, they've never appeared. Fortunately, the gorilla population has more than doubled in the last few decades, from less than 200 to more than 400.

I'm assigned a young guide, Angi, for the 2-day tour. We drive to the start of the hike at 2,300 m, where 2 porters are already waiting for us. I would have carried my own stuff, but I was told that you don't do that. After all, the porter's fee is enough to feed his family for almost the whole month. We walk through the fields of the smallest-scale agriculture and come to the national park wall with a rise above. Behind it, 10 (!) infantrymen from the Rwandan military are already waiting for us. The guide explains that this is mandatory to protect us from forest buffalo during the tour, which sometimes behave aggressively. I feel safe, even though this is all very unusual for me.

The first animal that catches my eye is a giant earthworm.

We trudge up through the rainforest through passages that are sometimes deep in mud; our goal is the unmanned military hut at 3,500 m. During the climb, we are washed by a tropical rain. Despite my rain gear, I am wet down to my underwear, and some of the things in my backpack are wet despite the rain protection. After this climb, I change my clothes for the first time and notice that I am getting chills. Outside temperature +2 degrees. My guide offers me to climb to the summit at 4,507 m that afternoon. I tell her my age for the first time and point out that I had actually planned to do this as a 2-day tour as planned. However, I agree to climb a few more 100 m to help me acclimatize to the altitude. For the first time, we see forest buffalo grazing peacefully on the opposite slope, next to a type of antelope. At 3,900 m, to Angi's disappointment, we turn back; I have once again clearly reached my limits. We sit by the charcoal stove for a while longer, cooking corn and potatoes. I soon retreat and do not expect a really energy-bringing, relaxing night.

We set off at 4:45, 2 infantrymen and my porter accompany me, Angi prefers to stay in the camp. We fight our way up with headlamps. At 4,000m I start to run out of breath again and my energy level weakens. Every break, which becomes increasingly shorter, I immediately nod off. I struggle up to 4,300m before I take the circumstances into account (my energy level, I need significantly more than 30 minutes to climb 100m, the approaching bad weather, no visibility, and I still have to walk all the way back to the starting point) and decide to turn back. I don't argue with myself or my decision. We trudge back down the steep climb, take a break to clean up and pack in the camp, and then descend the very long way back. Exhausted, we reach the national park border, where I say a warm goodbye to the infantrymen as the next tropical rain starts. On the last kilometer to the road we walk through the already familiar paths, through which torrents now flow. I fall down twice, you can't get any wetter or dirtier. The driver picks us up from the street and tells us all where we belong.

See photos above.